Welche Faktoren sind Ihnen bei der Entscheidung für ein Heizsystem in Ihren Liegenschaften heute besonders wichtig?
H-U. Müller: Kurz und bündig sind dies Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit, Langfristigkeit und Wirtschaftlichkeit.
D. Griner: Wir haben das Ziel, bis 2040 sämtliche Öl- und Gasheizungen in unseren Liegenschaften zu ersetzen, um unseren Energiebedarf dann aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Für die Erreichung dieses Ziels sind wir auf eine gute Zusammenarbeit mit unseren Fernwärmeanbietern, wie der gbm, angewiesen.
Warum sind Sie zum Entschluss gekommen den Nahwärmeverbund Thoracker an die Gemeindebetriebe Muri b. Bern zu verkaufen?
H-U. Müller: Es war ein längerer Prozess, der zu dieser Entscheidung geführt hat. Von Verkäuferseite her sehr gut von der Allianz Suisse Immobilien AG und Häusermann + Partner Rechtsanwälte geführt und gemeinsam mit allen anderen Miteigentümerinnen und -eigentümern entschieden. Beim Entscheid seitens der Bernapark AG liessen wir uns vom «Sorglos-Paket» der gbm und den fairen Bedingungen überzeugen.
D. Griner: Die Erreichung und die Unterstützung der Klimaziele 2050 können nur mit dem Nahwärmeverbund der gbm erfolgen. Bei den komplexen Gesprächen mit der gbm konnten wir eine Vertrauensbasis aufbauen und sind nun überzeugt, dass die Partnerschaft der richtige Schritt ist.
Welche Vorteile versprechen sie sich von einer Partnerschaft mit den gbm?
D. Griner: Wir sehen es zum Beispiel als Vorteil für die Planung an, wenn industrielle Betriebe, wie die gbm als Fernwärmeanbieterin agieren. Als Kunde hoffen wir auf einen möglichst umweltfreundlichen Produktionsmix und attraktive Preise. Wir sind sicher, dass dies durch eine langfristige und stabile Partnerschaft mit den gbm erreicht werden kann.
H-U. Müller: Wir freuen uns auf eine langjährige Partnerschaft mit einer vertrauenswürdigen, soliden Partnerin und hoffen, dass sich die Vorteile des gbm Sorglos-Pakets – komfortabel, zuverlässig, wirtschaftlich, ökologisch – bewahrheiten werden.
Befinden sich weitere Liegenschaften in Ihrem Immobilienportfolio, die an einen Wärmeverbund angeschlossen sind?
D. Griner: Ja, insbesondere in urbanen Lagen haben wir einige Liegenschaften mit Fernwärmeanschlüssen.
H-U. Müller: Ja. Für das Bernapark-Areal betreiben wir eine eigene Energiezentrale für alle Liegenschaften, die sich auf dem Areal befinden. Im Endausbau wird dieser Nahwärmeverbund ca. 2000 Einwohnerinnen und Einwohner sowie ca. 2000 Arbeitsplätze versorgen. Auch die drei Gebäude des denkmalgeschützen Ensembles des Schwandihofes, das sich in unmittelbarer Nähe des Bernaparks befindet, wurden mit dieser Zentrale verbunden. Darüber haben wir in den letzten Jahren mehrere Liegenschaften der Bernapark AG an Wärmeverbünde angeschlossen.
Wie hoch ist der prozentuale Anteil der an einen Wärmeverbund angeschlossenen Liegenschaften in ihrem Immobilienportfolio insgesamt?
H-U. Müller: Meistens sind es grössere Liegenschaften, die an Wärmeverbünde angeschlossen sind, wie beim Thoracker oder im Bernapark-Areal. Deshalb ist aus unserer Sicht der prozentuale Anteil der Wohnungen und Gewerberäume aussagekräftiger. Dieser liegt aktuell bei ca. 40 Prozent. Insbesondere mit der Weiterentwicklung des Bernapark-Areals wird dieser Anteil in den nächsten Jahren noch stark zunehmen.
D. Griner: Aktuell liegen wir damit bei rund 35Prozent.
Planen Sie auch künftig, wo möglich, auf Fernwärme zu setzen?
D. Griner: In der Schweiz wird in dicht besiedelten Gebieten das Fernwärmeangebot stark ausgebaut. Hierzu stehen wir mit Fernwärme-Anbietern in intensivem Austausch und versuchen unsere Liegenschaften an die Fernwärmenetze anzuschliessen.
H-U. Müller: Ja, Fernwärme ist in der Regel nachhaltiger, ökologischer, zukunftsgerichteter und im besten Fall auf längere Sicht auch wirtschaftlicher.
Welche Vorteile bietet eine Fernwärmeversorgung Ihrem Unternehmen und Ihren Mieterinnen und Mietern?
H-U. Müller: Unser Unternehmen kann durch das Outsourcing der Wärmeversorgung eine professionelle und zuverlässige Dienstleistung in Anspruch nehmen und hat einen geringeren Investitionsbedarf. Für die Mieterinnen und Mieter sind es die bereits genannten Vorteile der Fernwärme zu in der Regel stabilen Kosten.
D. Griner: Die Fernwärmangebote unterscheiden sich je nach Anbieter stark voneinander und müssen einzeln geprüft werden. Ab einer gewissen Wohndichte setzen sie sich jedoch häufig durch.
Welchen Einfluss hat die Wahl bzw. Installation eines Heizsystems aus Ihrer Erfahrung auf den Verkehrswert einer Liegenschaft?
D. Griner: Für Liegenschaften mit erneuerbaren Heizungen ist der Käuferkreis grösser und die Kaufbereitschaft leicht höher. Aus Bewertungssicht spielt bei Liegenschaften mit lokaler Öl- oder Gasheizung eine Rolle, wie aufwändig sich die Umstellung auf einen anderen Energieträger darstellt. Für die weitere Beurteilung spielen verschiedene Elemente wie Fassade, Wärmeverteilung etc. eine Rolle. Je nach kantonaler und kommunaler Gegebenheit der Liegenschaft sind die geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen zu beachten.
H-U. Müller: Vermutlich wird je länger je mehr eine nachhaltige Lösung vorausgesetzt, sodass zum Beispiel eine Ölheizung aufgrund des zukünftigen Investitionsbedarfs eher den Wert mindert.
Wie gross ist in Ihrer Wahrnehmung das Interesse Ihrer Mieterinnen und Mieter an einer nachhaltigen Heizlösung?
H-U. Müller: Das ist sehr unterschiedlich. Es ist jedoch eher selten ein (mit-)entscheidendes Kriterium bei der Wahl einer Wohnung.
D. Griner: Unsere Mieterumfrage zeigt, dass über 60 Prozent der Mieterinnen und Mieter eine Heizung aus erneuerbaren Energiequellen als wichtig erachten. Zudem müssen wir natürlich auch die Schweizer Gesetzgebung und die Energiekosten in unsere Überlegungen einbeziehen.
Heizwärme für Liegenschaften ist in der Schweiz heute noch für rund ein Drittel der landesweiten CO₂-Emissionen verantwortlich. Welchen Beitrag leistet Ihr Unternehmen an die Energiewende und welche Rolle spielt Fernwärme in Ihrer Energiestrategie?
D. Griner: Durch Sanierungen der Gebäudehülle reduzieren wir den Energiebedarf der Liegenschaften. Unsere wichtigste Massnahme ist jedoch der Wechsel des Energieträgers. Die geplanten Fernwärmeangebote unterstützen uns dabei sehr. Wobei für uns entscheidend ist, dass die Fernwärme möglichst erneuerbar betrieben wird oder ein Plan für die möglichst vollständige Dekarbonisierung des Produktionsmixes in der Zukunft konkret aufgezeigt werden kann.
H-U. Müller: Bei Neu- und Umbauten sowie beim Heizungsersatz wird stets geprüft, welche Lösung ökologisch und ökonomisch die beste ist. Beim Bernapark-Areal wird der Grossteil der Heiz- und Kälteleistung und des Warmwassers (der Anteil liegt je nach Jahreszeit und Bedarf zwischen 80 und 100 Prozent über Grundwasser-Wärmepumpen erzeugt. Zudem wird über Photovoltaikanlagen Strom gewonnen. Beim Schloss Wittigkofen wurde beim Umbau der Inneren Scheune eine Pelletheizung installiert, an die auch die weiteren Gebäude angeschlossen wurden. Auf diese Weise investieren wir in eigene Nahwärmeverbünde. Der Anschluss an Fernwärme ist für viele Liegenschaften die nachhaltigste Lösung und spielt somit für uns eine zentrale Rolle. Bei Sanierungen schenken wir zusätzlich der wärmetechnischen Sanierung (Isolationen etc.) besondere Beachtung. Ausserdem achten wir darauf, die bestehende Bausubstanz soweit sinnvoll und möglich zu erhalten und Baumaterialien wiederzuverwerten.